Getanzte Freiheit

Swing tanzen als Widerstand – Die Swing-Jugend im Nationalsozialismus
Wenn du heute einen Lindy Hop, Balboa oder Collegiate Shag auf der Tanzfläche hinlegst, erlebst du die Freude und Freiheit des Swingtanzes. Doch vor rund 80 Jahren war das Tanzen zu Swingmusik in Deutschland für einige Jugendliche nicht nur ein Vergnügen, sondern eine Form des Widerstands gegen ein totalitäres Regime, das jegliche abweichende Kultur unterdrückte.

Wer war die Swing-Jugend?
Die Swing-Jugend war eine lose organisierte Subkultur von Jugendlichen, die sich in deutschen Großstädten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt in den späten 1930er- und frühen 1940er-Jahren bildete. Sie liebten amerikanischen Jazz und Swingmusik, kleideten sich im anglo-amerikanischen Stil und lebten eine alternative, nonkonformistische Jugendkultur. Damit stellten sie einen direkten Gegenpol zur nationalsozialistischen Jugendorganisation Hitlerjugend (HJ) dar. Besonders in Hamburg gab es große Gruppen, die sich regelmäßig in Cafés oder privaten Wohnungen trafen, um Swingmusik zu hören und dazu zu tanzen.
Warum war die Swing-Jugend dem NS-Regime ein Dorn im Auge?
Für das NS-Regime waren die Swings eine Bedrohung, da sie Werte verkörperten, die der nationalsozialistischen Ideologie widersprachen: Individualität, Weltoffenheit und eine Vorliebe für „entartete“ Musik – besonders Jazz und Swing, die stark von afroamerikanischer und jüdischer Kultur beeinflusst waren.
Swings feierten geheime Tanzpartys, hörten verbotene Radiosender wie den BBC und entwickelten eine rebellische Sprache und Gestik. Manche nutzten den Swing sogar zur offenen Provokation, indem sie Nazi-Grüße ins Lächerliche zogen oder sich bewusst mit jüdischen Menschen solidarisierten. Besonders bekannt wurden die Hamburger Swing-Kreise, deren Mitglieder mit langen Haaren, englischen Modeaccessoires und provokanten Tanzbewegungen gegen die strengen Normen des Regimes rebellierten.


Verfolgung und Repression
Die Gestapo ging ab 1941 verstärkt gegen die Swings vor. Jugendliche wurden verhaftet, verhört und misshandelt. Einige wurden in Jugend-Konzentrationslager wie Moringen oder Uckermark deportiert, wo sie unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt waren.
Der bekannte Hamburger Swing Günter Discher wurde 1942 ins KZ Moringen gebracht, weil er „Swingmusik verbreitet“ hatte.
Andere wurden gezwungen, sich der Hitlerjugend anzuschließen oder erhielten Berufsverbote.
Was bedeutet das für uns heute?
Als heutige Swingtanzende tragen wir nicht nur eine Tanztradition weiter, sondern auch eine Geschichte des Widerstands. Die Swing-Jugend erinnert uns daran, dass Musik und Tanz auch politische Kraft haben können – und dass das Feiern von Freiheit und Vielfalt nicht immer selbstverständlich war.
Also, wenn du das nächste Mal auf der Tanzfläche bist, dann denke vielleicht auch einmal kurz an die Swing-Jugend: an ihren Mut, ihre Leidenschaft und ihren unbeugsamen Willen, trotz aller Repression zu tanzen. Vielleicht inspiriert es dich sogar, dich mit ihrer Geschichte weiter zu beschäftigen – sei es durch Bücher, Dokumentationen oder Gespräche mit Zeitzeugen.

Informationsquellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Swing-Jugend
https://zumfeindgemacht.de/swing-jugend/
https://www.bremer-buendnis.de/ns-unrecht-entartete-musik/
Übrigens:
Das bekannte Schild "Swing tanzen verboten", welches dir vielleicht schon hier und da mal begegnet ist als Dekoration, stammt nicht aus dieser Zeit sondern ist ein Fake! Hier kannst du die durchaus interessante und kuriose Geschichte dazu nachlesen: https://pophistory.hypotheses.org/527